Dunkle Nacht

Don't let this darkness fool you. All lights turned off can be turned on.

Die Dark Night of the Soul ist etwas, das mich schon lange begleitet. Immer wieder stoße ich an Grenzen. Eine Freundin verglich mich vor einiger Zeit mit dem Wesen des Phönix – einem wundervollen Geschöpf, das immer wieder Transformationen durchläuft, zu Asche wird und anschließend voller Pracht aufersteht und leuchtet. Immer wieder bin ich in meinem Leben durch Phasen gegangen, in denen ich mich an sehr tiefen Punkten wiedergefunden habe. Und immer wieder habe ich versucht, mich daraus zu befreien. Doch es wäre eine Lüge zu behaupten, dass mein Glaube darunter nicht oft gelitten hätte. Ich habe mir so oft gewünscht, dass nach der letzten dunklen Nacht endlich die Sonne wieder scheint – dass ein Tag kommt, der länger währt als die Nacht.

Doch bisher bin ich noch immer in der Nacht auf dem Weg ins Licht – unsicher, wann es wirklich erscheint. In den letzten Jahren waren die Tiefen sehr viel stärker, tiefer und länger als die Höhen. Ich denke oft darüber nach, wie ich damit umgehen soll, weil ich mir so sehr wünsche, wieder Licht zu sehen. Ich fühle mich oft hilflos, weil ich nicht weiß, wann die Nacht endet oder was ich tun kann, damit sie heller erscheint. Und es lässt mich Demut fühlen. Denn egal, wie viel Schmerz ich fühle – ich weiß, wie privilegiert ich trotz allem bin. Ich hatte in meinem Leben viele Chancen, die andere Menschen nicht hatten oder für die sie sehr viel härter kämpfen mussten.

Macht das meinen Schmerz kleiner? Nein. Sollte es das? Auch nein. Wir alle tragen unsere eigenen Päckchen, unsere eigene Geschichte und – vor allem – unsere eigene Berufung. Es ist ein schmerzhaftes Gefühl, wenn man spürt, dass man für mehr oder etwas anderes geschaffen ist, aber feststeckt in Umständen, die sich anfühlen wie Treibsand: Je mehr man sich bewegt, desto tiefer wird man hineingezogen. Es fühlt sich an, als wäre man Opfer der Umstände – trotz aller Privilegien – und doch nie wirklich glücklich. Viele würden sagen, der Schlüssel sei Dankbarkeit, aber ich glaube, unauthentisch empfundene Dankbarkeit ist nicht der Weg. Das bedeutet nicht, dass ich nicht dankbar bin für alles, was ich habe. Es bedeutet, dass ich nicht ignorieren kann, dass meine Seele mich ruft – mich auffordert, die Disbalance zu erkennen und meine wahre Essenz zu leben. Doch wie finde ich den Weg dorthin, wenn die Nacht so dunkel und so lang ist?

Die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, haben mir gezeigt, wie schwierig es sein kann, aus Umständen auszubrechen, die einen schon lange begleiten. Wie schwer es ist, auch nach Jahren des Misserfolgs weiter Hoffnung zu haben, nicht aufzugeben, weiterzumachen – zu vertrauen. Es gibt Situationen oder Umstände, die sich anfühlen wie Gewichte an den Beinen. Sie machen die Seele schwer und nähren die Angst, dass sich Schmerz wiederholen könnte, wenn man nicht aufpasst. Doch zu bleiben, wo dein Herz schmerzt – an einem Ort, an den du nicht gehörst – ist ebenso zerstörerisch. Tief in dir weißt du, dass du weitergehen musst, egal wie viel Gewicht auf dir lastet.

Aber was tust du, wenn du nicht dort bist, wo du sein willst, sondern dort, wo das Universum dich gerade haben möchte? Es raubt dir Macht, Eigenverantwortung, das Gefühl von Kontrolle – und es testet deinen Glauben. Doch woher weißt du, dass du vertrauen kannst? Woher weißt du, wann du still sein und wann du in Aktion treten solltest? Wenn sich alles diffus anfühlt, weil die Nacht so dunkel ist und alles, was du spürst, der glasklare Schmerz darüber ist, dass du dort, wo du bist, nicht bleiben kannst. Je mehr du strampelst, desto weniger verändert sich. Je mehr Energie du investierst, desto mehr Energie verlierst du, ohne einen Schritt nach vorn zu kommen. Doch das Warten – in einem Zustand, einer Umgebung, einer Situation, die dich unglücklich macht – und dabei zu vertrauen, ist unglaublich schwer. Es ist, als würdest du nach Auswegen suchen, und immer wenn du einen findest, wird er dir genommen, weil es noch nicht an der Zeit ist. Weil du reifen sollst. Erfahren sollst. Es ist der Test, ob du vertraust – auch wenn sich nichts bewegt.

Doch wie vertraut man? Wie vertraut man darauf, dass die Dunkelheit endet, dass nach der Nacht die Sonne wieder aufgeht?
Ich weiß es nicht. Das Einzige, was mich hält, ist der Glaube, dass solange ich hier bin, meine Reise noch nicht zu Ende ist und die Hoffnung, dass sie vielleicht doch irgendwann wieder im Licht weitergeht.

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Freundschaft